Verbandsgemeinde Hermeskeil
Rheinland-Pfalz
Bevölkerungszahl: 15.171
Fläche: 146 km²
Die Verbandsgemeinde Hermeskeil mit ihren ca. 15.000 Einwohner*innen liegt nur wenige Kilometer südwestlich der mit 816 Metern höchsten Erhebung in Rheinland-Pfalz, dem Erbeskopf. Hochhinaus will Hermeskeil vor allem, was Energiewende und Klimaschutz betrifft. Die Gemeinde gilt hier als Vorreiterin in der Region, denn als erste Kommune im Landkreis Trier-Saarburg hat sie ein integriertes Klimaschutzkonzept erarbeitet, das im März 2023 veröffentlicht wurde. Erste Schritte in Sachen Klimaschutz waren z. B. die Einführung eines klimafreundlichen, elektrisch betriebenen „Bürgerbusses“. Dieser bietet eine Alternative zum Individualverkehr im ländlichen Raum. Das Angebot richtet sich insbesondere an ältere und mobil eingeschränkte Menschen. Die Fahrten sind kostenlos. Ein entscheidender Hebel, denn 58 Prozent der CO₂-Emissionen in der Gemeinde entfallen auf den Verkehr. Ein großer Teil des Energieverbrauchs entfällt außerdem auf die privaten Haushalte. Deshalb hat die Verbandsgemeinde (VG) ein kommunales Förderprogramm mit Unterstützung des Landesprogramms KIPKI (Kommunales Investitionsprogramm Klimaschutz und Innovation) aufgelegt. Seit März 2024 hat die Kommune nach eigenen Angaben mehr als 940 Förderanträge bewilligt, darunter 290 für Balkonsolaranlagen, 190 für Batteriespeicher, 410 für energieeffiziente Haushaltsgeräte, 45 für Heizungspumpen und sechs für Regenwasserzisternen. Das ausgelöste Investitionsvolumen belief sich auf 1,1 Millionen Euro, Zuschüsse wurden in Höhe 188.000 Euro gewährt. Nach Angaben der Verbandsgemeinde können diese Maßnahmen jährlich 285 Tonnen CO₂ einsparen.
Regionale Wertschöpfung mit Windenergie
Das hohe Energiewende-Engagement ist in der Fläche von Weitem sichtbar. 37 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von mehr als 100 Megawatt (MW) stehen auf dem Gemeindegebiet. Die ersten Windräder in der Verbandsgemeinde drehen sich schon seit 2002. Bei vielen steht also ein Repowering an. „Dass die Windenergie lokale Wertschöpfung ermöglicht, zeigt das Beispiel des im Jahr 2023 errichteten Windparks Bescheid Süd“, meint der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Stefan Ding. „Der klimafreundliche Windstrom wird direkt an Industrieunternehmen aus der Region Trier geliefert und so erzeugungsnah verbraucht. Die Ortsgemeinde Bescheid profitiert über die Pachteinnahmen und kann dadurch in die Lebensqualität im Ort investieren“, erklärt der Bürgermeister weiter. Ein Teil der Einnahmen wird zudem durch einen Solidarvertrag Windenergie an die Ortsgemeinden ohne eigene Anlagen verteilt. Die vier Anlagen des Windparks mit einer Gesamtleistung von knapp 17 MW produzieren ca. 48 Millionen Kilowattstunden pro Jahr, was dem Jahresstromverbrauch der gesamten Verbandsgemeinde im Jahr 2023 entspricht. Der Betrieb läuft über eine Kooperation aus den Stadtwerken Trier (SWT), der Sparkasse und der Volksbank Trier sowie einem lokalen Unternehmen. Die Bürger*innen konnten sich über Nachrangdarlehen mit einer Anlagesumme zwischen mindestens 500 und maximal 20.000 Euro beteiligen.
Solarenergie und Landwirtschaft
Natürlich spielt auch die Solarenergie eine Schlüsselrolle in der Gemeinde. Mehr als 30 Megawatt Peak (MWp) PV-Leistung sind bereits überwiegend auf privaten Dachflächen installiert. Insgesamt erzeugt die VG Hermeskeil mehr als dreimal so viel Strom aus Erneuerbaren Energien, wie sie selbst verbraucht. Ein zukunftsweisendes Solarprojekt ist die geplante Agri-PV-Anlage „Energie Alm Hochwald“. Auf 13 bis 14 Hektar Fläche will der ortsansässige Landwirt Markus Eiden aufgeständerte Solarmodule errichten, zwischen denen seine Rinder weiden können. So greift ein Rad ins andere. Denn die Rindergülle und der Mist füttern wiederum zusammen mit nachwachsenden Rohstoffen die Biogasanlage der BGA Eiden GmbH. Jene erzeugt seit 2011 Strom. Seit 2014 versorgt sie über ein Nahwärmenetz auch öffentliche Gebäude wie das Rathaus, das Schulzentrum und das Schwimmbad mit klimafreundlicher Wärme. Im Winter wird die Biogasanlage durch eine Holzhackschnitzelanlage ergänzt. Betrieben wird das Nahwärmenetz von den „Energiepartnern“, einem Verbund aus der BGA Eiden, dem Landkreis Trier-Saarburg, der VG Hermeskeil sowie der Westnetztochter OIE AG.
Wärmewende noch lange nicht am Ende
Die Wärmewende soll natürlich weitergehen. Anfang des Jahres 2026 hat Hermeskeil die kommunale Wärmeplanung abgeschlossen. Die Bestandsaufnahme aus der Wärmeplanung offenbart den Handlungsdruck: In der Verbandsgemeinde waren 2024 rund 5.200 Wärmeerzeugungsanlagen in Betrieb. Etwa 82 Prozent werden mit fossilen Energieträgern betrieben, insbesondere mit Heizöl. Ein Ausbau des bestehenden Nahwärmenetzes könnte hier auf einen Schlag einen beträchtlichen Teil der Heizungsanlagen ersetzen und auf eine klimafreundliche Lösung umstellen. Die Wärmeplanung hat mehr als 1.200 mögliche Anschlussnehmer*innen identifiziert, die für ein erweitertes oder neues Wärmenetz in Betracht kommen.
Der Biogasanlagenbetreiber Markus Eiden plant bereits zusammen mit der Kommune die Erweiterung des bestehenden Wärmenetzes. Noch werden rund 40 Prozent der in der Biogasanlage anfallenden Abwärme nicht genutzt. Außerdem soll die Anlage flexibilisiert werden. Sie soll also vor allem dann viel Strom produzieren, wenn wenig Wind- und Solarstrom im Netz ist. Doch dieser Ausbau zu einem flexiblen Biogas-Speicherkraftwerk ist mit hohen Investitionen verbunden. Wirtschaftlich lässt sich das nur stemmen, wenn der Verkauf der anfallenden Wärme über ein lokales Nahwärmenetz zusätzliche Erlöse bringt. Das ungenutzte Potenzial soll also zum Nutzen aller erschlossen werden: Die Kund*innen erhalten einen günstigen und stabilen Wärmepreis sowie eine komfortable Heizungsanlage, die Kommune sorgt für Wertschöpfung vor Ort und der Betreiber der Biogasanlage kann weitere Investitionen in seine Biogasanlage im Sinne Energiewende tätigen. Axel Thomas, Klimaschutzmanager der VG Hermeskeil, sagt: „Das neue Nahwärmenetz kann als Leuchtturmprojekt der Kooperation zwischen Kommune und Landwirtschaft zeigen, wie die Energiewende durch die Nutzung regionaler Ressourcen stabile Energiepreise sowie Wertschöpfung vor Ort schaffen kann.“
Eine perfekte Gelegenheit für den Wärmenetzausbau wird sich durch umfassende Sanierungsarbeiten in der Fußgängerzone im Zentrum der Kernstadt Hermeskeil ergeben. Unter anderem werden die Wasserwerke der Verbandsgemeinde in den nächsten drei Jahren dort neue Wasserleitungen verlegen. Da bietet es sich an, Synergien zu nutzen und eine Wärmeleitung mitzuplanen. Durch den Nahwärmenetzausbau sollen in Zukunft auch mehr Privathaushalte mit erneuerbarer Wärme versorgt werden. Das Interesse ist groß. Viele Hauseigentümer*innen haben schon Verträge unterzeichnet. Markus Eiden berichtet von laufenden Anfragen von Bürger*innen im Ort, die sich gerne an das Nahwärmenetz anschließen lassen möchten. Das Projekt wird über Bundesförderung effiziente Wärmenetze (BEW) unterstützt. Die beteiligten Partner warten noch auf den Bewilligungsbescheid. Alles steht aber bereits in den Startlöchern.
Kommunale Pflichtaufgaben
- Kommunale Wärmeplanung
Veröffentlicht: Oktober 2026