Helmstedt
Niedersachsen
Bevölkerungszahl: 25.099
Fläche: 67 km²
Die Stadt Helmstedt, eine der ältesten Städte im Osten Niedersachsens mit rund 25.000 Einwohner*innen, verbindet eine bewegte Geschichte als ehemaliger innerdeutscher Grenzort mit einer aktiven und zukunftsorientierten Entwicklung. Besonders prägend ist die lange Bildungs- und Kulturtradition, die bis zur historischen Universität Helmstedt (1576–1810) zurückreicht. Heute zeichnet sich die Kommune durch ihre gut erhaltene Altstadt, eine starke regionale Gemeinschaft und ihr Engagement für nachhaltige Entwicklung aus. Dafür wird Helmstedt als Energie-Kommune des Monats ausgezeichnet und steht beispielhaft für den erfolgreichen Wandel einer ehemals stark fossil geprägten Region hin zu einem modernen Standort für Erneuerbare Energien, Innovation und nachhaltige Wärmeversorgung.
Im Zentrum der Transformation steht die Kommunale Wärmeplanung, erstellt von Green Planet Energy und greenventory. Auf Grundlage einer umfassenden Bestands- und Potenzialanalyse untersucht die Stadt systematisch die aktuelle Wärmeversorgung in Wohn- und Gewerbegebieten. Dabei werden bestehende Energieinfrastrukturen ebenso analysiert wie mögliche Zukunftsszenarien. Ein Schwerpunkt liegt auf der Identifikation geeigneter Standorte für erneuerbare Wärmequellen – etwa Wärmepumpen oder die Nutzung von Abwärme. Konkret wurden bereits zehn Gebiete für den Ausbau von Wärmenetzen identifiziert, um fossile Heizungen zu ersetzen und den jährlichen Wärmebedarf durch gezielte Sanierungen von 267 auf 190 Gigawattstunden zu senken. Ein innovativer Ansatz ist dabei die Seethermie: Der Lappwaldsee könnte künftig als Wärmequelle dienen. Auch die Nutzung der Müllverbrennungsanlage für eine zentrale Wärmeversorgung wird in Betracht gezogen. Das langfristige strategische Ziel ist klar definiert: eine treibhausgasneutrale Wärmeversorgung. Dieses soll neben dem Einsatz effizienterer Heizsysteme auch durch energetische Gebäudesanierungen erreicht werden. Dabei geht die Kommune bei ihren eigenen Liegenschaften mit gutem Beispiel voran und setzt verstärkt auf moderne Dämmung sowie den Austausch veralteter Anlagen.
Das Helmstedter Revier als Energieort der Zukunft
Die Energiewende in Helmstedt zeigt sich jedoch nicht nur in Konzepten, sondern auch in konkreter Infrastruktur. Im Helmstedter Revier wurde ein Windpark mit einer Leistung von rund 13 Megawatt (MW) genehmigt. Zwei Windenergieanlagen entstehen auf dem ehemaligen Bergbaugelände und symbolisieren den strukturellen Wandel der Region: Wo einst fossile Energie gewonnen wurde, wird künftig klimafreundlicher Strom erzeugt. Der Bau dieser Anlagen ist aber nur der Beginn der Umnutzung des Helmstedter Reviers: In den nächsten Jahren sollen hier Windenergie- und PV-Anlagen mit einer Gesamtleistung von bis zu 400 MW errichtet werden, die etwa 150.000 Haushalte mit erneuerbarem Strom versorgen können. Ergänzt wird dies durch ein klimagerechtes Flächenmanagement, das ab 2026 Leerstände, Baulücken und Brachflächen systematisch in eine nachhaltige Bauleitplanung integriert.
Im Bereich Bioenergie gibt es innovative Ansätze: Am bestehenden Biogasstandort der Bioenergie Dieckmann eG ging 2024 eine Verflüssigungsanlage für biogenes CO₂ in Betrieb. Dort wird Biogas aus regionalen Bioabfällen und landwirtschaftlichen Reststoffen aufbereitet: Das gereinigte Methan wird ins Erdgasnetz eingespeist, während das gereinigte und verflüssigte CO₂ unter anderem für industrielle Anwendungen wie die Herstellung von Trockeneis genutzt wird bei einem Tagesvolumen von etwa 20 Tonnen.
Ein weiterer Meilenstein ist das geplante Großspeicherprojekt nahe Helmstedt. Das Unternehmen Kyon Energy errichtet hier einen Batteriespeicher mit einer Leistung von 110 MW und einer Kapazität von 220 Megawattstunden – eines der größten Projekte dieser Art in Deutschland. Solche Speicher sind entscheidend für das Gelingen der Energiewende, da sie Schwankungen aus Wind- und Solarstrom ausgleichen, das Stromnetz stabilisieren und Versorgungssicherheit gewährleisten. Mit diesem Projekt wird Helmstedt zu einem wichtigen Baustein im deutschen Energiesystem der Zukunft.
HELMIZ Innovationszentrum zur Förderung des Strukturwandels
Neben der Energieerzeugung und -speicherung setzt die Stadt auch auf Innovation und Wissenstransfer. Mit dem Innovations- und Transformationszentrum HELMIZ entsteht in Kooperation mit dem Fraunhofer-Institut für Schicht- und Oberflächentechnik IST ein Kompetenzzentrum für Energiewirtschaft, Energieeffizienz, erneuerbare Technologien und Nachhaltigkeit. HELMIZ soll Unternehmen beim Strukturwandel in der Region Helmstedt unterstützen, technologische Entwicklungen vorantreiben und neue nachhaltige Geschäftsmodelle fördern. Damit wird der Wandel nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich aktiv gestaltet.
Ein wesentliches Element der Helmstedter Klimastrategie ist zudem die Einbindung der Bürger*innen. Die Stadt stellt jährlich rund 40.000 Euro zur Förderung ökologisch vorteilhafter und klimaschutzorientierter Einzelvorhaben bereit, verbunden mit individueller Beratung. Gefördert werden unter anderem die Installation von Balkonsolaranlagen, Dach- und Fassadenbegrünungen, Baumpflanzungen sowie Regenwasserrückhaltebecken. Diese Maßnahmen ermöglichen es den Bürger*innen, selbst Teil der Energiewende zu werden und konkrete Beiträge zum Klimaschutz zu leisten.
Die Auszeichnung zur Energie-Kommune des Monats würdigt damit ein Gesamtpaket: strategische Planung, innovative Infrastruktur, wirtschaftliche Transformation, wissenschaftliche Kooperationen und konkrete Förderung vor Ort. Helmstedt zeigt, dass der Wandel von einer fossilen Energieregion zu einer nachhaltigen Modellkommune möglich ist – wenn langfristige Ziele, mutige Investitionen und gesellschaftliche Beteiligung zusammenkommen. Mit klarer Strategie, starken Partnern und wachsendem Engagement setzt Helmstedt Maßstäbe für kommunalen Klimaschutz und wird so zu einem Vorbild für viele Städte im Strukturwandel.
Kommunale Pflichtaufgaben
- Kommunale Wärmeplanung
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Veröffentlicht: April 2026