Düsseldorf
Nordrhein-Westfalen
Bevölkerungszahl: 618.685
Fläche: 217 km²
Die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt Düsseldorf nimmt in vielerlei Hinsicht eine Vorbildrolle ein. Um diese auch zukünftig zu erfüllen, verfolgt die Verwaltung einen ehrgeizigen Plan namens „Klima-Hauptstadt 2035“: Der Rat der Stadt beschloss 2019 die Klimaneutralität bis 2035. Zahlreiche Maßnahmen aus umfassenden Energie- und Klimaschutzkonzepten reduzieren schon heute Treibhausgasemissionen. Das Ziel ist, diese von derzeit noch knapp sieben auf zwei Tonnen CO₂-Äquivalenten pro Bürger*in und Jahr zu senken, also auf weniger als ein Drittel des heutigen Werts.
Aus- und Weiterbildung von Fachkräften
Alles beginnt in Düsseldorf mit der Aus- und Weiterbildung von Fachkräften, denn vor allem das Handwerk und das Ingenieurswesen bringen die Energiewende auf die Dächer, in die Gebäude und unter die Straßen. Um für umwelt- und klimarelevante Berufszweige zu werben und die interdisziplinäre Arbeit zu unterstützen, fördert die Landeshauptstadt die Düsseldorfer Umweltakademie. Die Einrichtung der Kreishandwerkerschaft Düsseldorf schult junge wie gestandene Handwerker*innen in Technologien und der Beratung in Sachen Versorgungssicherheit und Klimaschutz. Ebenfalls zu den Leistungen der Umweltakademie gehören öffentliche Informationsveranstaltungen für Gebäudeeigentümer*innen und Mieter*innen.
Auch im akademischen Bereich gibt es ein passendes Angebot der Hochschule Düsseldorf: den berufsbegleitenden Studiengang Haus-, Energie- und Anlagentechnik (HEAT) mit der Besonderheit, dass Absolvierende neben dem Bachelor of Engineering auch einen Meistertitel im Installateur- und Heizungsbauer-Handwerk erhalten. Denn nach der Integration der Teile II, III und optional IV der SHK-Meisterausbildung in das Studium müssen die ausgebildeten Fachleute nur noch den fachpraktischen Teil I bei der Handwerkskammer absolvieren. Anschließend stehen auch weiterführende Masterstudiengänge zur Wahl. All dies eröffnet nicht nur Karrierechancen in Handwerksbetrieben, Ingenieursbüros, Versorgungsunternehmen und der Industrie. Auch die Stadt Düsseldorf profitiert von attraktiven Bildungsangeboten und hoch qualifizierten Expert*innen, die die für die Energiewende und damit die Klimaneutralität entscheidenden Beratungen durchführen können.
Wirtschaftsnetzwerk und Innovationscampus
In der Berufswelt angekommen, gilt es, den großen Impact von Wirtschaftsunternehmen auf die Umwelt als Chance der Transformation zu verstehen. Mit dem Ziel, möglichst viele Unternehmen in eine klimafreundlichere Zukunft zu begleiten und damit einen großen Schritt in Richtung Klimaneutralität bis 2035 zu gehen, gründeten die Stadtverwaltung, die IHK, die Handwerkskammer und die Kreishandwerkerschaft den „Düsseldorfer Klimapakt mit der Wirtschaft“. In diesem Netzwerk treffen sich bereits mehr als 100 sogenannte Klimapartner, von kleinen Dienstleistern bis zu großen Industriestandorten, die sich mit einer Vereinbarung zu umweltschonendem Wirtschaften verpflichten. Wie das aussehen kann, wird am EUREF-Campus Düsseldorf (Abkürzung für Europäisches Energieforum) erforscht. Unter anderem NRW.Energy4Climate, die Landesgesellschaft für Energie und Klimaschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, gehört neben Unternehmen aus der Solar- und E-Mobilitätsbranche zu den ersten Mieterinnen des seit 2021 entstehenden Innovationshubs für Energie, Mobilität und Nachhaltigkeit. Weitere Technologieunternehmen, Start-ups und Forschungseinrichtungen sollen folgen.
Ein Plan für die Wärmewende
Um in den verbleibenden neun Jahren bis zur angestrebten Klimaneutralität THG-Emissionen und den Energieverbrauch in allen Sektoren zu senken, setzt die Stadtverwaltung vor allem auf eine umfassende Wärmewende. Denn einem jährlichen Wärmebedarf von rund 7,8 Milliarden Kilowattstunden (kWh) stehen Potenziale von 11,5 bis 13,4 Milliarden kWh durch Erneuerbare Energien gegenüber – und damit auch erhebliche Möglichkeiten zur Reduktion der THG-Emissionen. Heute entfallen noch 92 Prozent der Endenergie im Wärmesektor auf fossile Energieträger. Allein Erdgas macht dabei mehr als zwei Drittel aus. Die kurz vor dem Abschluss stehende kommunale Wärmeplanung, genauer genommen die anstehende Umsetzung dieses Plans, ist daher ein entscheidendes Instrument für die Zielerreichung bis 2035.
Besonders dezentrale Wärmepumpen und oberflächennahe Geothermie könnten neben der Fernwärme künftig einen Großteil der benötigten erneuerbaren Wärme bereitstellen. Dazu kommen unter anderem Oberflächengewässer und Solarthermie als Energiequellen. Große Wärmeerzeuger wie etwa Großwärmepumpen im Rhein und am Klärwerk Süd, die Abwärme von Industriebetrieben wie etwa seit Anfang 2026 im Henkel-Werk und je nach Fündigkeit auch Tiefengeothermie sind für die Dekarbonisierung der Fernwärme entscheidend. Der Masterplan Geothermie des Landes Nordrhein-Westfalen sieht vor, bis 2045 bis zu 20 Prozent des Wärmebedarfs durch Erdwärme zu decken, mit einem Fokus auf hydrothermale Verfahren. Düsseldorf gilt wegen der geologischen Gegebenheiten als einer der Schlüsselstandorte im Bundesland. Aktuell wird eine durch das Land geförderte Erschließungsbohrung vorbereitet.
Auch die Umstellung des Betriebs von Heizkraftwerken und einer Müllverbrennungsanlage auf grünen Wasserstoff oder Biomasse und die Elektrifizierung industrieller Prozesse sollen zu einer klimafreundlichen, wirtschaftlichen und diversifizierten Energieversorgung beitragen. Teil der kommunalen Wärmeplanung ist ebenfalls die Reduktion des Raum- und Prozesswärmebedarfs durch Gebäudesanierungen, deren Priorisierung wirtschaftliche und sozioökonomische Faktoren zugrunde liegen. Während der (Aus)Bau und die Verdichtung von Wärmenetzen tendenziell in zentralen Stadtteilen wirtschaftlich ist, ist eine dezentrale Versorgung vor allem in den weniger dicht besiedelten Gebieten sinnvoll. Detaillierte Pläne nach aktuellem Stand sind öffentlich einsehbar. Die Stadt bietet Privathaushalten und Betrieben neben individueller Beratung und Informationsangeboten auch das Förderprogramm „Klimafreundliches Wohnen und Arbeiten in Düsseldorf“, das den Einbau von Wärmepumpen oder den Anschluss an die Fernwärme, aber auch energetische Sanierungen und die Errichtung von PV-Anlagen auf privaten Dächern sowie Balkonkraftwerke und Wallboxen fördert. Im Jahr 2025 wurden 10 Millionen Euro Fördermittel an Düsseldorfer Bürger*innen für den Klimaschutz ausgezahlt. Aktuell wird das Programm überarbeitet, um es an die zukünftigen Herausforderungen der Wärmewende anzupassen.
Sanierungen und Photovoltaik für städtische Liegenschaften
PV-Anlagen sind stets auch ein gutes Mittel für Kommunalverwaltungen, um nicht nur Stromkosten und klimaschädliche Emissionen einzusparen, sondern vor allem auch, um sichtbar als Vorbild voranzugehen. Mit über elf Megawatt-Peak installierter oder konkret geplanter Anlagenkapazität wird bereits über ein Viertel des angenommenen PV-Potenzials der städtischen Liegenschaften gehoben. Gemäß der beschlossenen Solaroffensive sollen alle geeigneten Dächer und Fassaden städtischer Gebäude, also auch Schulen, Kitas und Museen, mit Modulen ausgestattet werden. Damit könnten rund 75 Prozent des eigenen Stromverbrauchs gedeckt werden. Der übrige Strom wird schon heute ausschließlich aus erneuerbaren Quellen bezogen.
Weitere rund 130 Sofortmaßnahmen wie die energetische Sanierung städtischer Gebäude, höhere energetische Standards im Neubau und die Umrüstung auf energiesparende LED-Beleuchtung wurden ebenfalls bereits beschlossen und teilweise umgesetzt. Außerdem richtete die Verwaltung die „Kleine Kommission Klimaneutralität in Düsseldorf“ ein, um wichtige Maßnahmen auf dem Weg zur Klimaneutralität zu begleiten – sprich zu beraten, zu kontrollieren und zu vernetzen.
Mobilitätsstationen als sozioökonomische Zentren
„Eine Klimaschutzstrategie für die Stadt Düsseldorf wäre wirkungslos, würde das Thema Mobilität nicht eine zentrale Rolle einnehmen“, heißt es im Klimaschutzkonzept 2025. Auch hier greifen mehrere Maßnahmen ineinander. Zentrale Elemente werden im wahrsten Sinne des Wortes 100 Mobilitätsstationen, die bis 2035 entstehen sollen. Diese in anderen Städten und Ländern auch Mobility Hubs oder besonders in den Niederlanden, wo sie seit 2018 getestet werden, Mobihubs genannten Umsteigepunkte verknüpfen ÖPNV, Sharing-Angebote, Ladeinfrastruktur und den Fuß- und Radverkehr, oft kombiniert mit der Schaffung von grünen Aufenthaltsräumen. Die Knotenpunkte dienen also nicht nur dem Klimaschutz und einer besseren Mobilität für alle, sondern vor allem auch dem Wohlbefinden und stärken im besten Fall soziale Beziehungen im öffentlichen Raum. Etwa 30 Mobilitätsstationen fördern schon heute den Umstieg auf nachhaltige Mobilitätsformen.
Mit aktuell etwa 2.500 Ladepunkten hat die Stadt zudem das größte E-Ladenetz in Nordrhein-Westfalen. Bis 2030 sollen es 8.000 Ladepunkte sein. Doch während Düsseldorf mit einigen Zahlen bei der E-Mobilität punkten kann, gestaltet sich die Verkehrswende auf den Radwegen noch sehr verhalten. Im Fahrradklima-Test des ADFC, einem Zufriedenheits-Index von Radfahrenden, kann die Landeshauptstadt bisher nur mit der Verfügbarkeit von Leihrädern und der in Gegenrichtung für den Radverkehr geöffneten Einbahnstraßen überzeugen. Als noch verbesserungsfähig aufgezählt werden hingegen die Führung an Baustellen, fehlende Kontrollen von Falschparkenden auf zu schmalen Fahrradwegen und die Ampelschaltungen für Radfahrende.
Trotz großer Fortschritte und Ambitionen ist es noch ein weiter Weg zur Klimaneutralität bis 2035. Dennoch sendet Düsseldorf ein starkes Zeichen an andere Groß- und Landeshauptstädte. Mit den anstehenden Energiewende-Maßnahmen, besonders der Umsetzung der kommunalen Wärmeplanung, geht die Stadt am Rhein weiter als Vorreiterin voran. Der Düsseldorfer Umweltdezernent Jochen Kral erklärt in diesem Zusammenhang: „In der Landeshauptstadt Düsseldorf wirken die Stadtverwaltung, die lokale Wirtschaft, das Handwerk, und insbesondere engagierte Bürgerinnen und Bürger gemeinsam am ehrgeizigen Ziel, bis 2035 die Klimaneutralität zu erreichen. Die Vielfalt der Projekte und Akteure zeigt, dass Klimaschutz eine Gemeinschaftsaufgabe ist: Durch lokales Handeln können wir unserer globalen Verantwortung gerecht werden, den menschengemachten Klimawandel zu mildern. Die Auszeichnung als Energie-Kommune des Monats freut uns und bestätigt uns auf dem Weg, den die Stadtgesellschaft in den vergangenen Jahren zur Klimaneutralität eingeschlagen hat.“
Kommunale Pflichtaufgaben
- Kommunale Wärmeplanung
- Verkehr/Mobilität
- Straßenbeleuchtung
Veröffentlicht: Februar 2026